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Bruno Fernandes: Ist die Form des Man-Utd-Kapitäns Symptom oder Ursache ihrer Krise?

Nur sieben Wochen nachdem Bruno Fernandes in Manchester seine Freude über die Wahl zum PFA Player of the Year 2025/26 ausgedrückt hat, steckt der Kapitän von Manchester United in einer schwierigen Phase. In den sechs Premier-League-Spielen dieser Saison hat er drei Tore und eine Vorlage erzielt, und alle Scorerpunkte gehen auf das Konto der Partie gegen Ipswich.

Dabei hatte der 31-Jährige in der vergangenen Saison Großes geleistet. Er erzielte neun Tore und legte 21 Vorlagen auf, womit er einen Premier-League-Rekord einstellte, den bisher Thierry Henry und Kevin De Bruyne gemeinsam hielten. In den letzten elf Spielen der Vorsaison war er an zwölf der 21 Tore von United direkt beteiligt. Auch in der Serie von sieben Partien, mit der sich das Team wieder für die europäische Königsklasse qualifizierte, war er an neun von zwölf Treffern beteiligt.

Ein Kapitän, der zurückgeblieben wirkt

Bei seiner Auszeichnung in Manchester sagte Fernandes: „Es war eine besondere Saison für mich. Ich bin sehr stolz.“ Er fügte jedoch hinzu: „Wir spielen kein Tennis. Wir spielen nicht nur für uns selbst. Wir spielen für eine Mannschaft, für einen Verein, für die Fans. Es gibt nichts Besseres als das.“

Diese Worte wirken nun besonders deutlich, denn im Vergleich zu seinen herausragenden Werten der Vorsaison fallen die aktuellen Zahlen deutlich schwächer aus. Fernandes hat jede Minute der sechs Premier-League-Spiele gespielt. Zwar liegen seine Werte besser als in der Vorsaison, als er in den ersten sechs Partien zwei Tore erzielte und keine Vorlage gab. Damals spielte er aber auf der tieferen Position im Mittelfeld, die Ruben Amorim bevorzugte.

Mit durchschnittlich 3,3 Schüssen pro Spiel liegt er in dieser Saison auf dem zweithöchsten Wert seiner Karriere, nur seine Bestmarke von 3,5 aus der Saison 2020/21 ist höher. Gleichzeitig ist er mit durchschnittlich 0,8 Schüssen aufs Tor auf dem zweitniedrigsten Wert seiner Zeit in Old Trafford. Seine Chancenkreation liegt bei 2,5 pro Spiel und damit ebenfalls auf dem zweitschwächsten Niveau seiner Zeit bei United. In der vergangenen Saison kam er auf 4,0.

Besonders auffällig ist, dass er in dieser Saison erst eine „große Chance“ herausgespielt hat. Es war der lange Ball auf Bryan Mbeumo am 30. August, der diesen gegen die Ipswich-Abwehr freispielte. In der Vorsaison lag sein Schnitt bei einer großen Chance pro Spiel.

Fernandes als Ursache oder Symptom

Seine Werte und seine allgemeine Einbindung erklären zumindest teilweise, warum United nach sechs Spielen erst sechs Punkte gesammelt hat. Das ist der schlechteste Saisonstart in der Liga seit 40 Jahren, als Ron Atkinson entlassen wurde und Sir Alex Ferguson übernahm.

Doch stellt sich die Frage, ob Fernandes der Grund für die Krise ist oder nur ein Symptom davon. Auch seine Fitness ist ein Thema. Der Portugiese fehlte beim jüngsten Nations-League-Spiel gegen Norwegen. Nationaltrainer Jorge Jesus erklärte, der ehemalige Sporting-Spieler spiele „mit Schmerzen“. Trotzdem war Fernandes fit genug, um in den letzten beiden Länderspielen der Pause wieder dabei zu sein. Zuvor hatte er beim 4:0 gegen den aserbaidschanischen Meister Sabah FK in der Champions League die volle Spielzeit absolviert.

Trainer Michael Carrick sieht darin kein Problem, während er sich auf das Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid am Dienstag vorbereitet. „Er hatte etwas, das ihn belastet hat, aber so etwas passiert häufig“, sagte Carrick. „Spieler spielen mit Problemen. Es ist nicht ideal, aber es ist beherrschbar. Bruno kann spielen. Das zeigt, wie sehr er sich verpflichtet fühlt.“ Weiter sagte er: „Er ist darüber inzwischen weitgehend hinweg, war heute Morgen im Training richtig gut drauf und freut sich auf das Spiel.“

Die fehlenden Partner

Am Ende der vergangenen Saison, als Fernandes seine stärkste Phase hatte, war Benjamin Šeško in der Neunerposition gesetzt, und der erfahrene Brasilianer Casemiro bildete den Anker im Mittelfeld. Von den neun Ligatreffern, die Šeško im Jahr 2026 erzielt hat, legte Fernandes vier auf. Außerdem bereitete er vier der letzten fünf Tore vor, die Casemiro seit dem 1. Februar für United erzielte.

Abseits der Tore wird deutlich, wie sehr Šeško und Casemiro fehlen. Selbst größte Bewunderer von Casemiro können die aktuell schwachen Laufwerte nicht allein mit dessen Wechsel zu Inter Miami im Sommer erklären. Seine Positionierung und sein Spielverständnis bleiben auf hohem Niveau. Fernandes konnte so Risiken eingehen, weil er darauf vertrauen konnte, dass United bei eigenem Ballverlust im Umschalten nicht überrannt wird.

Bei Šeško verlängert seine neue Schienbeinverletzung eine Zeit ohne Einsatz, die deutlich spürbar ist und für die bisher kein Ende absehbar ist. Die Vereinsführung hat im Sommer trotz lauter Forderungen darauf verzichtet, zusätzliche Stürmer zu holen, und stattdessen das Mittelfeld um Carrick verstärkt.

Ein Plan, Šeško in der Anfangsphase durch Mbeumo auf der Neun zu ersetzen, musste verworfen werden, als sich Amad Diallo kurz vor dem ersten Spiel in Hull am Knöchel verletzte. Stattdessen wurde Matheus Cunha in diese Rolle gedrängt. Er ließ sich jedoch immer wieder tief fallen, genau in den Raum, den Fernandes besetzte. Beide fanden nie wirklich einen Weg, damit umzugehen.

Für Fernandes fühlt sich diese Situation einengend an. Zwar gehört er nicht zu den Spielern, denen es an Selbstvertrauen fehlt, doch scheint seine Entscheidungsfindung darunter zu leiden. Im Spiel gegen Tottenham am Wochenende brauchte er unglaubliche 23 Minuten, um einen einzigen Pass zu spielen.

Carrick sagte am Montag mit Blick auf das Duell mit Atlético, dass niemand in seiner Mannschaft einen Platz „garantiert“ habe. Er formulierte es jedoch so vorsichtig, dass klar wurde: Der Verzicht auf seinen Kapitän ist für ihn kein Thema.

Trotzdem muss sich United verbessern, und dafür muss sich auch Fernandes steigern. „Er ist ein Topspieler, Bruno“, sagte Carrick. „Manchmal läuft es einfach nicht für dich. Manchmal hast du eine solche Phase. Aber er hat für diesen Verein unglaubliche Dinge getan, und das wird er auch in Zukunft tun, daran besteht kein Zweifel.“

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